Leben
mit Windhunden
Ich habe, wie jeder Windhund, Erbanlagen die mir bestimmte Eigenschaften, mehr oder weniger ausgeprägt, mit gaben. Wie schwach oder stark sie bei den verschiedenen Windhunden sind, bestimmen viele Faktoren, wie Erziehung, das bisher Erlebte usw. und die Bindung zu unserem Menschen. Wir Windhunde unterscheiden uns in einigen Punkten von allen anderen Hunderassen. Wir jagen nicht per Nase, sondern als einzige Hunde über das Auge. Wenn wir etwas sehen, das sich fortbewegt, musst Du damit rechnen das wir dem nachrasen. Ja rasen, denn wir können durch einen ebenfalls etwas anderen Körperbau, wie eine besonders biegsame Wirbelsäule und wesentlich größere Organe erheblich schneller rennen, als alle anderen Hunde. Die erheblich vergrößerten Organe ermöglichen unserem Körper enorme Mengen an Blut zu transportieren, ihn mit einer riesen Menge Sauerstoff zu versorgen, ohne dem könnten wir diese außergewöhnliche Leistung nicht erbringen. Unser König, der Greyhound, schafft auf jeden Fall 70 km/h! Wenige Meter nach dem Start haben wir schon diese hohen Geschwindigkeiten. Deswegen ist für uns eine lange Leine, wie eine Flexleine, nicht ratsam, denn wir brauchen nur paar Meter um so eine enorme Kraft und Geschwindigkeit zu erreichen, dass Du uns womöglich nicht mehr halten kannst. Wenn sich also etwas für uns Reizvolles bewegt, kann der Hetztrieb ausgelöst werden. Ich betone "kann", denn jeder Windhund ist, wie ich schon oben schrieb, nicht so extrem. Es ist doch besser wenn ich Dir sage was eintreffen könnte, oder? Bei jüngeren Hunden mit starkem Hetztrieb reicht schon eine vom Wind dahin gewehte Plastiktüte, ein Blatt oder ein Vogel. Ältere sind schon schlauer geworden, die wissen wonach es sich lohnt zu laufen. Wenn das passiert ist, kannst Du uns in der Regel nicht mehr stoppen. Wir hören dann nichts, fixieren nur dieses Objekt und rasen auf dem kürzesten Weg voll Power darauf zu. Wir kommen zwar immer wieder an den Ausgangspunkt zu unserem Herrchen/Frauchen zurück, aber es ist nicht ungefährlich. Unser Hetztrieb kann so stark sein, dass wir in Zäune rennen, sehr gefährlich sind Weidezäune, auf oder über Straßen rasen und tot gefahren werden, vom Zug überfahren und so weiter. Bei Windhunden, die bereits als Jagdhunde oder auf der Rennbahn eingesetzt waren, muss man damit rechnen. Bei allen anderen aber auch. Wie ich eben schon erwähnte, wenn wir doch mal irgendwie abgehauen sind, wir kommen an den Ausgangspunkt zurück. Das heißt für Dich: Warten. Egal wie lange. Wenn Du weg gehst und ich Dich dort nicht mehr finde, laufe ich nämlich nach Hause. Das ist unter Umständen verdammt gefährlich, da wir Straßen überqueren müssen und unterwegs vieles sehen können, was unseren Hetztrieb auslöst. Ich gebe zu, ich bin auch schon mal ausgebüchst. Aber ich war nach 5 Minuten wieder zurück. Ich kenne aber persönlich genug andere Windhunde, die stundenlang unterwegs waren. Mehrere Ortschaften weiter gesehen wurden. Falls Du mal einen Windhund hast, einen von den sehr schnellen Rassen, dann musst Du unbedingt beachten, dass Du einen solchen niemals "kalt" starten lassen darfst. Das bedeutet, der Hund muss sich vor einem Rennen erst warm laufen, aber nicht nur 2 Minuten. Die Muskeln müssen warm und geschmeidig sein, bevor er starten darf. Ich habe schon superschnelle Flitzer mit Muskelrissen gesehen, weil sie kalt los liefen. Richtige dicke Muskelsäcke hängen dann hinten an den Schenkeln. Das darf nicht passieren! Es gibt aber auch viele Windhunde, die keinen so stark ausgeprägten Hetztrieb haben. Darauf hoffen würde ich an Deiner Stelle aber nicht, das sind eher Ausnahmen. Hier in Deutschland ist das Hetzen auf lebendes Wild VERBOTEN, Freilauf in Wald und Flur auch. Es ist zwar nicht unbedingt das was wir Windhunde uns wünschen, aber man kann damit doch recht gut leben, wenn Frauchen oder Herrchen je nach Wesen des Hundes nach Möglichkeiten suchen, wo wir uns austoben können. Es gibt Vereine für uns Windhunde, wo wir das dürfen. In manchen richtig auf der Rennbahn bei Rennen oder Training, oder sogar in einem bestimmten freien Gelände Attrappen jagen, was dann Coursing heißt. Ideal ist natürlich ein sehr großes eingezäuntes Gelände, wo wir und nach Herzens Lust bewegen, herumtoben und sprinten können. Wenn Du einen so braven Hund wie mich hast, kannst Du ihn an manchen sicheren Stellen, weit ab von Strassen, wildreichen Gebieten und anderen Gefahren frei laufen lassen. Und glaube mir, es gibt noch mehr so liebe wie mich!
Wer längere Zeit mit Windhunden lebt, bekommt den "Windhundblick". Das heißt, wenn Du mit Deinem Windhund unterwegs bist, wird Dir nichts anderes übrig bleiben, als mögliche "Hetzobjekte" (alles Bewegende, vor allem Fortbewegende kann in Frage kommen) zuerst zu sehen. Wenn Du das nicht von alleine lernst, bringt es Dir Dein Hund bei. Führst Du ihn an der Leine und träumst dabei, kann es sein das er etwas entdeckt, losspurten will und Du mal kurz auf der Nase landest oder er Dir mit samt Leine abhaut. Eine andere Variante: Du träumst auch durch die Gegend, Dein Windhund entdeckt was, will wieder loshetzen, Du hast es natürlich nicht mitbekommen, bist aber so "schlau" und kannst ihn noch halten... und hältst und er kommt ins Rennen, nur 5 Meter. Das reicht. Wetten, auch das passiert Dir kein zweites mal. Nach wenigen Metern hat Dein Windhund nämlich so eine Kraft und Geschwindigkeit entwickelt, das Du so gut wie keine Chance mehr hast ihn zu stoppen. Und dann bete schnell, das Du es heil überstehst. Ich habe selbst gesehen, wie ein Windhundkumpel sein Frauchen über eine stark befahrene Straße nach Westernmanier am Boden liegend schleifte, nur weil er mich auf der anderen Straßenseite entdeckte, begrüßen wollte und sein Frauchen es nicht mitbekam. Auch große starke Männer habe ich fliegen sehen. Du darfst nicht ins Rennen kommen, nicht mitrennen, das schaffst Du eh nicht, Du MUSST solche und ähnliche Situationen sehr schnell, möglichst zuerst, erkennen um Deinen Hund halten zu können. So reagiert auch nicht jeder Windhund, kann aber. Wir reden hier ja davon, was wahrscheinlich sein kann, ich kenne ja Deinen Hund selbst nicht, aber Windhunde... Windhunde musst Du Dir so ungefähr wie eine Mischung aus Katze und Wildhund vorstellen. Wir ordnen uns nicht dem Menschen unter, wie andere Hunde, wir führen auch keine "Befehle" aus. Das heißt aber nicht, dass wir störrische Esel sind, wir sind eher der Partner-Typ. Wenn Dich Dein Windhund sehr liebt, wird er eh tun, was Du möchtest, aber dazu musst Du einiges tun, Dich nämlich erst mal gründlich über Windhunde informieren, besonders über die Rasse, die Du haben möchtest und vom Wesen wirklich fasziniert sein. Das spürt dann Dein Windhund und kann so auch Dich lieben. Und ein guter Mensch musst Du sein, der den Hund nicht anbrüllt oder irgendwie grob ist. Stur können wir allerdings werden, wenn der Mensch gar keinen Bezug zu unserem speziellen Wesen hat und davon ausgeht Hund ist Hund. Wir mögen es nicht scharf herumkommandiert zu werden. Selbstverständlich kann man uns erziehen, halt liebevoll und mit ein wenig mehr Geduld. Immerhin sind wir Spezialisten mit einer ganz anderen Vergangenheit und Bestimmung als andere Hunde, wenn man das weiß, berücksichtigt und liebt, kann man uns sehr viel beibringen. Wir Windhunde sind seit eh und je sehr stolze, unabhängige und sensible Tiere. Wer unser Wesen mag und unser Herz erobert, wird sehr viel Freude an uns haben. Ich zum Beispiel tue alles, was mein Frauchen möchte. Sie hat mir liebevoll sehr viel beigebracht. Sie lehrte mir nichts Unsinniges, was meinem Wesen fremd ist, sondern wirklich Wichtiges für so einen Sausewind wie mich. Egal ob ich angeleint bin oder entfernt frei laufe, ich bleibe sofort stehen wenn sie HALT sagt. Sagt sie "langsam" wenn ich an der Leine bin, laufe ich vorsichtig. Wenn ich frei laufe und meinem Frauchen sagt "langsam", dann laufe ich nur mit halber Geschwindigkeit weiter. Das kann aber nur ich, die anderen Windhunde in meinem Rudel kapieren das nicht, aber sie üben fleißig. Ich ziehe so gut wie niemals an der Leine. Ausgenommen natürlich, wenn mein Hetztrieb oder Interesse durch irgend etwas ausgelöst wurde, dann muss sie alles öfter sagen. Ich kann aber noch mehr. Ich lege mich hin bei "tu schlafen" und düse los bei "auf" oder "komm". Selbstverständlich komme ich sofort zu ihr wenn sie mich ruft. Ich laufe bei Fuß wenn sie es will, da braucht sie nur zu sagen "bleib". Ganz ohne Leine laufe ich dann dicht neben ihr so lange das mein Frauchen will, auch mehrere Kilometer.
Erst vor wenigen Tagen haben wir wieder gehört, dass ein Windhund überfahren wurde und Windhunde, die erst kurz in ihrem neuen Zuhause waren, ausgebüchst sind, manche nicht mehr gefunden wurden. In vielen Fällen waren sich Herrchen/Frauchen bestimmt nicht bewusst wozu ein Windhund in der Lage sein kann. Sein Wesen muss man kennen und lieben, BEVOR man einen ins Haus holt, ihn nicht nur wegen seiner hoch eleganten Erscheinung oder sonst einer Idee anschaffen, eben weil wir anders sind als alle anderen Hunde, wir sind Spezialisten mit ganz anderen Eigenschaften. Es ist unsagbar traurig, wenn ein Tier mit seinem Leben dafür zahlen muss, dass die Leute sich vorher nicht die Mühe machten sich über unser Wesen zu informieren. Wirkliches Interesse an uns sollte doch wohl diese Mühe wert und das Mindeste sein. Ich habe z.B. eine ganz große, Kilometer lange Wiese am Ort wo ich wohne. Da ist kein Wild, das meinen Hetztrieb auslösen könnte. Da drehe ich mit meinem Freunden heiße Runden und schon bin ich zufrieden. Weil ich ein Kurzstreckenläufer bin und jeden Tag frei, ohne Leine laufen kann, brauche ich nicht jeden Tag stundenlangen Auslauf. Nicht mehr als andere große Hunde, WENN ich meine Runden ziehen und mich frei austoben kann. Ich persönlich fühle mich am wohlsten wenn ich mindestens alle zwei Tage mal so richtig beim Herumdüsen meine Energie auspowern kann. Jeden Tag mag ich das gar nicht mehr, bin ja auch nicht mehr der jüngste, da reichen mir Spaziergänge. Zu Hause lege ich keinen großen Wert auf extrem viel Platz, da bin ich genügsamer. Einen schönen großen und weichen Liegeplatz, am liebsten erhöht, brauche ich aber, damit ich meine langen Beine auch ausstrecken kann, auch wenn wir Meister im Zusammenklappen unseres langen Körpers sind. Oder wolltest Du immer zusammen gekauert schlafen? Noch wichtiger ist mir eine sehr enge, vertrauensvolle Beziehung zu lieben Menschen, ich möglichst nicht der einzige Hund bin.
Die verschiedenen Windhundrassen unterscheiden sich nicht nur vom Aussehen. Sie haben auch teilweise große Unterschiede im Wesen, da sie aus ganz verschiedenen Regionen stammen, sich den dortigen Bedingungen anpassten. Wie ich erwähnte gehöre ich zu den Kurzstreckenläufern. Das sind die schnelleren Windhunde. Es gibt aber auch Langstreckenläufer. Sie sind nicht ganz so schnell, halten dafür aber viel länger durch. Die brauchen natürlich regelmäßig längere Touren um sich wohl zu fühlen. Merkst Du was? Auch hier ist es ganz wichtig, das Du Dich gut über die entsprechende Windhundrasse informierst, weil sie unterschiedliche Ansprüche haben und zufrieden und gesund leben zu können. Windhunde lieben es in Rudeln zu leben. Ich bin sehr sozial, kuschle sehr gerne, liebe es ausgelassen zu spielen. Dabei kann ich allerdings ganz schön in Rage kommen. Ich habe noch eine Vorliebe, ich mag und genieße es von meinem Frauchen ausgiebig gepflegt zu werden. Das allerschönste sind aber unsere Spielstunden. Wenn Frauchen und ich miteinander raufen und toben, ist nichts mehr sicher. Da geht`s ab! Zu ihr habe ich absolutes Vertrauen. Wir Windhunde spielen auch bisschen anders, als andere Hunde. Wir bringen z.B. nichts zurück, was Du weg wirfst, aber wird rennen dem sehr gerne nach, vielleicht packen wir es auch und schleudern es begeistert hoch in die Luft, packen es wieder und könnten vor lauter Spielfreude einen kleinen Rennanfall kriegen oder wir buddeln es wie die Wilden ein. Und dann schaue uns dabei mal ganz genau an, wir lachen vor Freude. Ich muss Dir noch etwas Wichtiges sagen. Wenn Du mal einen Windhund hast, komme in keiner Situation auf den Gedanken uns an der Leine zu ziehen! Erst recht nicht bei einem Windhund, den Du noch nicht lange hast, der vielleicht noch unsicher oder ängstlich ist. Das kannst Du mit einem Stofftier auf Rädern machen, aber ganz sicher nicht mit einem Windhund. Weißt Du was dann passiert? Dann machen wir gar nichts mehr, bleiben entweder stur stehen oder machen was wir wollen. Damit bist Du zu weit gegangen und hast unser Vertrauen verspielt. Ich muss Dir das sagen, weil ich immer wieder mitbekomme, das sogar in manchen Hundeschulen so ein unsinniger Ratschlag geben wurde, den Hund halt an der Leine zu ziehen, wenn er nicht laufen will oder zu langsam geht. Die Leute wussten nicht das es Blödsinn ist, machten es natürlich auch und hatten dann die Bescherung. Nix mehr hat der Windhund gemacht, dann nannten sie ihn auch noch "sturen Esel". Wir sind keine sturen Esel, ganz im Gegenteil, man kann uns aber mit groben Fehlern dazu machen. Und dann hast Du es schwer, denn so schnell vertrauen wir Dir nicht mehr. Auch ganz wichtig ist, das Dir klar ist, das Du einen Windhund in der Regel am Halsband nie sicher halten kannst. Wir kommen nämlich in bestimmten Situationen immer raus. Und weißt Du auch warum? Weil unser Hals kräftiger ist, als der Kopf. Umso mehr freie Bewegung ein Windhund hat, oder hatte bevor er zu Dir kam, desto kräftiger ist sein Genick. Beim Rennen holt er seine Kraft, seinen Schwung auch aus dem Genick um sie beim Rennen in seine biegsame Wirbelsäule zu übertragen. Das bisschen weicher Knorpel am Ohr ist kein Hinderungsgrund, wir schaffen es so gut wie immer. Einen ganz kurzen, aber kräftigen Ruck nach hinten und weg sind wir, so schnell kannst Du nicht mal gucken! Wenn Du z.B. einen sehr ängstlichen oder unsicheren Hund hast, dann rate ich Dir unbedingt zu einem guten, stabilen Gurt, vielleicht sogar zusätzlich ein Halsband. Gerade Windhunde, die neu in ihre Familien gekommen sind und noch keine tiefe Bindung haben, könnten manchmal panisch reagieren wenn sie etwas erschreckt. Dann KANN es ganz schlimm ausgehen, nur weil Du das nicht wusstest. Deswegen sage ich´s Dir. Ich "kenne" einige Windhunde, auch andere Hunde, denen das so passiert ist, die schon seit Monaten gesucht werden, bisher vergebens oder manche wurden tot gefunden. Wir Windhunde sind super Familienhunde, Du musst uns nur verstehen, unser Wesen total lieben, mit uns artgerecht umgehen, dann wirst Du sehr viel Freude an uns haben. Eines darfst Du aber niemals vergessen, wir sind und bleiben Jagdhunde! Wenn Du denkst Du kannst einen schönen Windhund zu Dir holen und ihm den Hetzinstinkt abtrainieren, dann irrst Du Dich gewaltig. Mit viel geduldiger und liebevoller Erziehung bei guter Bindung zwischen Dir und dem Hund, kannst Du es in Deinem Sinne positiv beeinflussen, aber abtrainieren kannst Du den Hetztrieb nicht. Das ist die Bestimmung des Windhundes, sein Lebenszweck, den kann man nicht ausradieren, damit es Dir bequemer ist. Liebe ihn ganz oder lasse es bleiben.
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