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Windhunde und Katzen
Hier liegt etwas zu Naschen in Greyleins Körbchen. Sultan zeigt durch seine Körper- und Kopfhaltung, das er ihr nichts tut. Er zeigt Beschwichtigungssignale, die auch unter Hunden angewandt werden. Er wendet den Blick ab.
Ich durfte also nicht zu den Katzen. Da sie mich bereits ausgesucht und in mich sehr verliebt hatte, kam es für sie nicht in Frage mich wieder wegzugeben. Da sie in einem großen Haus lebt, war es kein Problem die Räume, bzw. Etagen aufzuteilen. Ein Teil war Freiraum für die Katzen, der andere für mich. Mein kleiner Hundekumpel Maxel durfte überall hin, er liebt Katzen. Alles wurde so organisiert, dass keine Gruppe zu kurz kam und keiner unter Stress stand. Als die Katzen das erste mal in ihrem Freigehege waren schaute ich mir ganz genau an wie ich an sie ran kommen könnte. Ich habe kapiert das es nicht geht, seit dem interessiert es mich nicht mehr. Das ist der Vorteil eines reiferen Hundes, der hat Erfahrung genug um einzuschätzen wofür es sich lohnt Energie zu verschwenden und wann er sich diese Mühe sparen kann. Noch hatte mein Frauchen die Hoffnung mich allmählich an ihre Stubentiger zu gewöhnen. Sie nahm sich viel Zeit, war fast unendlich geduldig, aber sie musste einsehen es war bei mir wohl aussichtslos. Allein der Anblick einer Katze ließ meine Hetzgier sofort aus meinen Augen funkeln, nichts hätte mich stoppen können. Immerhin habe ich so etwas mein ganzes langes (Vor)Leben lang gemacht, da kenne ich mich aus, da bin ich kaum zu übertreffen.
Wenn wir Windhunde von klein auf keine Katzen kennen gelernt haben, ist es sehr schwer ihnen den Unterschied zum Hasen beizubringen. Noch erschwerender kommt dazu, wenn ein Windhund, so wie ich, schon etwas älter ist und eine lange Jagdhundkarriere hinter sich hat. Emirs Katzentest war korrekt bewertet worden, er hatte nur bei seinem sechs Monate langem Tierheimaufenthalt jegliches Selbstbewusst sein verloren, war unsicher geworden und traurig. Dadurch kam dieses Verhalten zustande. Dies sollte man bei einem erwachsenen Windhund, den man zu sich holt aber immer bedenken, weil man oft nicht wissen kann was er erlebte, was ihn prägte. Selbst wenn ein Windhund bereits auf einem Pflegeplatz harmonisch mit Katzen zusammen lebte ist es keine Garantie dafür das er auch Ihre Katzen in Ruhe lässt. Es kommt auch auf die Katze an.
Nach fast drei Jahren hat es mein Frauchen dann doch geschafft. Inzwischen kuschle ich mit ihnen, sie dürfen über mich hinweg laufen, ich sonne mit ihnen im Garten, während ich fresse dürfen sie sogar in meinen Napf schauen, was es Leckeres gibt, ich schmuse mit ihnen, schlafe mit ihnen, ich liebe sie sogar sehr. Nun kann sie mich sogar unbeobachtet mit ihnen alleine lassen, ich hab`s kapiert, es sind ganz besondere Hasen, sie gehören zum Rudel.
Kommen Sie niemals auf den Gedanken, die Katze wird sich schon wehren... Bei einem jagderfahrenen WINDHUND hat sie keine Chance!
Windhunde mit ausgeprägtem Hetztrieb, die womöglich als Jagdhunde eingesetzt waren, können nicht selten nach sehr vorsichtiger und geduldiger Gewöhnung mit Katzen zusammen leben, sie sogar lieben, aber nur im Haus! Im Freien hetzen sie jedoch auch die eigenen geliebten Katzen, würden sie auch töten.
Einen meiner Pflegegalgos musste ich leider leider auf einen anderen Pflegeplatz geben, er reagierte extrem auf meinen rot-braunen Kater (für ihn ganz klar ein Hase). Der Hund stand den ganzen Tag unter Stress, versuchte sogar vom Garten aus durch die Fenster ins Haus zu kommen um den Kater zu töten. Mein Katerchen war natürlich sicher, aber er spürte die Gefahr. Mein graues Stubentigermädchen interessierte ihn kaum, nur der braune Kater. Alle meine Versuche ihn vorsichtig an den Kater zu gewöhnen waren völlig zwecklos. Ich war gezwungen dem Stress schnellstens ein Ende zu setzen, hatte das große Glück innerhalb kurzer Zeit einen super galgoerfahrenen Pflegeplatz ohne Katzen für ihn zu finden. Klar fiel es mir sehr schwer, ausgerechnet dieser Hund war ansonsten völlig problemlos, ein anhänglicher, gehorsamer ganz großartiger Galgo, der sich sehr schnell mitten im Herzen einen Platz sicherte. Bei allen anderen Windhunden gab es mit den Katzen gar keine Probleme. Wenn ich einen neuen Pflegehund mit ihnen bekannt machte, nur mit Sicherheitsmaßnahmen, bis ich sicher einschätzen konnte wie sich der Hund verhält. Von Seiten meiner Katzen gab es eh keine Probleme, sie waren Hunde gewohnt, wussten ganz genau wie sie mit ihnen umgehen mussten. Nachdem ich einen Neuling mit dem Grundstück und den anderen Hunden bekannt machte, sich die unglaubliche Freude unter den Hunden über den Windhundneuling beruhigt und enspannt hatte, kam für mich der schwierigste Teil, die Zusammenführung mit den Katzen. Ich wartete noch ab, bis auch ich völlig ruhig und fit genug war, ich brauchte nun vollste Konzentration und eventuell ein super schnelles Reaktionsvermögen. Weitere Personen oder sonstige andere Ablenkungen und Störungen vermied ich. Ich leinte den Hund sicher an. Das heißt kurze feste Leine, womit ich den Hund in jeder Lage absolut sicher steuern und halten konnte. Die Leine nicht einfach nur in meiner Hand haltend, sicherheitshalber noch ums Handgelenk "gewickelt", aus der Hand reißt der Windhund die Leine im Bruchteil einer Sekunde, diese Wucht kann man unter Umständen nicht halten, die Hand wird einfach aufgerissen und weg ist er. Das Halsband für den Moment ziemlich eng anliegend, was keine Sicherheit ist, aber der Hund ist dadurch besser zu "steuern". Wichtig: Ein Windhund kommt aus einem Halsband IMMER heraus, wenn er will. Sein Hals ist stärker als der Kopf, der weiche Knorpel an den Ohren kann kein Halsband stoppen. Also noch ein Geschirr, gut angepasst, mit einer zweiten Leine oder am anderen Ende der Halsband-Leine befestigt. Wenn nun der Neuling ruhig war, führte ich ihn zu den Katzen. Die Wohnung hatte ich dem Hund vorher schon gezeigt, ohne Katzen. Nun sollte das einzige Neue die Katzen sein, er sollte seine Aufmerksamkeit nur auf sie lenken, nur so konnte ich auf der Stelle beurteilen wie er sich Katzen gegenüber verhält. Meißtens erlebte ich das er sie zwar sah, aber sie nicht per Auge fixierte, manchmal drehte der Hund bei ihrem Anblick sogar den Kopf weg. Das war schon ein recht gutes Signal das es keine Probleme gibt. Ich animierte meine Katzen dann sich zu bewegen, steigerte es noch und brachte sie dazu vor dem Hund schnell weg zu rennen. Wenn der Hund dann noch immer deutlich sein Desinteresse signalisierte, indem er ganz deutlich den Blick abwandte, steigerte ich es noch. Ich hielt die Leine lockerer, so das er es auch wahr nimmt, gab ihm also mehr Raum "starten" oder ihnen nachlaufen zu können. Wenn er das nicht nutzte und sogar weiter zeigte das er kein Interesse an den Katzen hat kam der direkte Kontakt. Die Katzen sollten dabei möglichst auf seiner Kopfhöhe sein, weil ich dabei am genauesten beobachten kann, seine Augen am besten sehe, seine Reaktion nicht ganz so extrem schnell ist, als wenn er mit seinem Kopf nach unten geht, was der Windhund besonders schnell kann. Ich hielt ihn anfangs wieder fester an der Leine, meinen Arm angespannt, damit er keine Möglichkeit hat meinen Arm nach vorn zur Katze zu ziehen, also meinen Arm mit einem Rück zu verlängern. In der Regel beschnüffelten sie die Katze erst hinten, wenn sich die Katze umdrehte auch ihren Körper und den Kopf. Im besten Fall konnte ich dann sehen das sie die Katzen zwar bewusst und normal interessiert wahr nehmen, aber es dabei blieb. Keine stechenden starren Augen, keine "versteinerte" Körperhaltung, die signalisiert hätte das er angespannt ist, was umschlagen kann in den Hetztrieb. Der Hund war ruhig und locker, zeigte nach dem Beschnüffeln kein weiteres Interesse an der Katze. Nun konnte ich ihn ableinen, aber anfangs mit einer weiteren Sicherheit. Ich setzte ihn kurz einen passenden Stoffmaulkorb auf, wenn ichs nicht schon vorher tat. Nur der Fang ist damit wie von einer "Stofftüte vorne auch offen" umfasst, je nach Größe ist die Schnauze offen und frei, ich habe soe oft passend zurchet genäht um dem Hund genug Schaunzenfreiheit zu lassen, aber auch Sicherheit. Der Hund könnte damit, wenns gut passt im schlimmsten Fall zwicken und etwas Fell erwischen, aber den Fang nicht soweit aufreißen das er verletzend oder gar tötlich zubeißen könnte. Ich stellte fest das es dem Haund nichts ausmachte, er erlebte eh gerade viele Änderungen in seinem Leben, dieser Beißschutz schien das Geringste gewesen zu sein. Ich ließ ihn auch nur so lange an, bis ich paar mal beobachten konnte wie er sich unangeleint den Katzen gegenüber verhält. Fast immer konnte ich den Beißschutz schon nach paar Minuten wieder abnehmen, weil der Hund weiterhin deutlich zeigte das er keinerlei Interesse an den Katzen hat. In den ersten Tagen ließ ich den neuen Hund und die Katzen niemals unbeaufsichtigt. Außerdem wartete ich noch auf eine bestimmte Situation, auf die in der der neue Hund, aus welchem Grund auch immer, der Katze nachlief oder sie im Auge behielt. Habe ich den Augenblick erwischt kam mein klares NEIN! Ich erlaubte vom aller ersten mal niemals das ein Windhund dies tut, auch nicht das ein Windhund mit Katzen spielt. Sie sind kein Spielzeug!!!! Im Spiel kann es ruck zuck umschlagen, worauf ich keinen Einfluss mehr hätte. Meine Windhunde wissen das ganz genau, eben weil ich als Rudelboss diese Regel von Anfang an klar aufgestellt und konsequent durchgesetzt habe. Zu den Regeln gehört auch das ein Windhund nichts am Fressplatz der Katze zu suchen hat, erst recht nicht wenn die Katze gerade frisst. Gerade in den ersten beiden Tagen geht das besonders gut, weil sich der Hund da neu orientiert. Er sucht regelrecht die Regeln, die im neuen Rudel herrschen, sucht den Platz an dem er steht, weil es für ihn Sicherheit und Überleben bedeutet wenn er sie erkennt. Er fügt sich dem also unproblematisch ein, nicht weil er ein guter Hund ist, sondern weil er instiktmäßig überleben will. Dies kann man sich sehr gut zu Nutze machen. So machte ich auch jedem Neuling von Anfang an deutlich das die Katzen unter meinem besonderen Schutz stehen, er keine Chance hat meine Regeln zu umgehen. Das natürlich niemals hart, laut oder sonstwie unpassend und unangenehm für den Hund, aber klar genug um ihm das bewusst zu machen. Ein NA! oder NEIN! in einer bestimmenden Tonlage reichte völlig aus. Beim Namen ermahnte ich einen Hund in so einer Situation nie, damit würde ich ihm noch Aufmerksamkeit geben, was letztlich sogar eine Bestätigung für ihn sein kann.
Tja, gut und schön, aber wie erkennt man ob ein Windhund doch Interesse an den Katzen hat? Ich kann auch da nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. Im Text erwähnte ich es schon, ich gebe es hier aber in Stichpunkten noch einmal wider. Anzeichen für Interesse an Katzen als Beute KÖNNEN sein: . Er behält die Katze länger als eine Sekunde im Auge, fixiert den Blick auf sie . Seine Kopf - oder Körperhaltung verharrt beim Anblick der Katze . Er behält sie im Auge und zeigt mit den Ohren (Aufgestellt, seitlich hochgezogen) Aufmerksamkeit . Er läuft der Katze interessiert nach . Er springt von seinem Ruheplatz, startet in ihre Richtung . Er zerrt an der Leine in Richtung Katze . Er schreit hoch interessiert auf beim Anblick einer Katze, bäumt sich womöglich auch auf, weil ihn die Leine hält
Anzeichen für Desinteresse an Katzen als Beute KÖNNEN sein: . Der Hund wendet den Blick, vielleicht auch den Kopf betont ab wenn er die Katze sieht . Er zeigt keinerlei körperliche Zeichen der Anspannung . Sein Blick bleibt nie an der Katze "hängen" . Er respektiert die Katzen, macht bei direkter Begegnung sogar einen leichten Bogen um sie . Er zeigt kein aufmerksames Interesse wenn die Katzen unter ihm hindurch streift
Meine Windhunde respektieren die Katzen voll, sie kuscheln und schmusen mit ihnen. In der Rangfolge sind die Katzen aber ganz klar vor den Hunden. Ich habe dennoch Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Z.B. wenn die Katzen fressen hat da kein Windhund etwas verloren. Wenn ich länger aus dem Haus gehe, lasse ich niemals die Katzen und Hunde zusammen. Meine Katzen sind dann entweder in ihrer "Gartenvilla mit zwei Terrassen" oder in ihrem Lieblingsraum, wo sie alles haben was sie brauchen, auch einen eigenen gesicherten Katzenbalkon, interessante Klettermöglichkeiten, beinahe Rundumblick direkt in den Garten usw. Wenn ich dabei bin können meine Windhunde inzwischen auch manchmal mit den Katzen zusammen in den Garten. Aber dabei muss ich alle Tiere immer im Auge behalten. Sie sonnen gemeinsam, schnüffeln zusammen im Gras, alles völlig entspannt. Eine Gefahr liegt aber darin das eine Katze plötzlich paar Meter davon flitzt, was jederzeit passieren kann. Dann starten auch die Windhunde, ab da sind es nicht mehr ihre Rudelmitglieder sondern flüchtende Beutetiere. Ich selbst hatte nur wenige mal den Mut und die Nerven sie zusammen hinaus zu lassen, ich bin nach reichlichen Beobachtungen aber wieder davon abgekommen. Um z.B. bei schönem Wetter mit allen Tieren gleichzeitig die Sonne genießen zu können habe ich mir lieber die Mühe gemacht die "Katzenvilla" mit einer weiteren gut gesicherten Freifläche zu erweitern.
Eine kleine Geschichte am Rande. Ein einziges mal kam bisher Futterneid ins Spiel. Ich hatte nicht bemerkt das mein Kater mit einem Brocken Fleisch den Platz gewechselt hatte. Was ich da erlebte fuhr mir durch Mark und Knochen. Mein Kater ist ein Bengale. Er unterscheidet sich im Verhalten in einigen Punkten von anderen Katzen, hat unter anderem auch noch viel natürlichere Instinkte, was ich bisher noch nirgends las aber an meinem Kater beobachten konnte. Das mag daher rühren das die Bengalkatze erst in den ´80-ger Jahren aus der Kreuzung einer "wilden Bengalkatze" (der asiatischen Leopardenkatze) und einer Hauskatze entstanden ist. So zeigt mir (nur) dieser Kater auch ganz klar und super schnell ob von einem Hund für ihn Gefahr ausgeht oder nicht. Mein durch und durch gutmütiger, besonders anhänglicher Kater, der noch niemals auch nur warnend sein Pfötchen gegen einen Hund erhob, kaute also auf seinem Fleischstück herum als einer meiner Windhunde auch Interesse an dem Stück Fleisch zeigte und das auf Augenhöhe des Hundes. Der Hund kam meinem Kater zu nahe, wurde ihm zu aufdringlich. Der Kater drehte sich erst mit seiner "Beute" ab, als das nichts nützte KNURRTE er den Windhund frontal an. Ja Knurrte, nicht fauchte. Aber wie! Und wie laut! Ich hatte auf einmal eine Wildkatze vor mir, sein lautes Knurren passte überhaupt nicht zu dem kleinen Kerl, es hörte sich an als wäre er in dem Moment mindestens auch so groß wie der Windhund. Ich war total erschrocken und gleichzeitig völlig fasziniert, so einen Laut hatte ich noch niemals gehört, erst recht nicht von einer Katze. Es hatte was von Wildnis pur, von großer Raubkatze. Meinem Windhundriese muss es ebenso beeindruckt haben, er verzog sich, aber ganz schnell.
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