Ein "neuer" Hund kommt...

Zusammenführung der Hunde

 

Endlich ist es soweit, der ersehnte Hund kommt. Welch eine schöne Aufregung. Aber auch das mulmige Gefühl, hoffentlich mag ihn mein Hund...

Ich möchte auch über das Thema etwas von meinen eigenen Erfahrungen schreiben, vielleicht können sie jemandem hilfreich sein, der beim Gedanken der Zusammenführung der Hunde unsicher ist oder sich in seiner Vorfreude auf den neuen Hund informieren mag wie es Andere gemacht haben.

Wieder etwas vorweg: Ich möchte mit meinen Erfahrungen auch hier nicht sagen das es SO gemacht werden muss oder SO richtig ist. NEIN. Es sind nur Beispiele die optimal abliefen, weiter nichts. Jeder Hund ist anders, jeder hat sein ganz persönliches Wesen, seinen eigenen Charakter, was auch hierbei beachtet werden muss... soweit man von dem "neuen" Hund Informationen darüber hat ist es wesentlich einfacher. Den eigenen Hund kennt man eh, so kann man sich eine "Strategie" ausdenken.

Ich sage bewusst "Strategie", weil ich kein Freund davon bin einen neuen Hund gedankenlos, planlos einfach ins Haus zu holen. Kleine unbewusste Anfangsfehler können nachhaltig ein Zusammenleben der Hunde erschweren oder es zögert den Zeitpunkt hinaus bis sie ein Team sind.

Ich berichte einfach von verschiedenen Beispielen. Vielleicht ist eines dabei, woran Sie sich in ihrem "Plan" orientieren könnten, sich Ideen holen, es auf ihre Bedingungen ändern.

 

Abholung eines "neuen" Hundes am Flughafen oder anderer Übergabestelle

Endlich konnte er kommen.... welch eine schöne Aufregung. Diesmal nahm ich meine beiden Hunde mit zur Abholung. Ich hatte zwei Rüden einen Windhund, einen Nichtwindhund, der "Neue" war auch ein Windhundrüde. Ich überlegte mir vorher bis ins Detail wie ich die Zusammenführung mache, weil ich  befürchtete das mich meine Emotionen übermannen, was dann auch so kam. Viel zu lange hatte ich auf diesen Hund gewartet, viel zu lange hatte ich Tag für Tag Angst er könnte doch noch umgebracht werden.

Ich betrat die Halle, da stand er schon mit seinen Flugpaten, er war noch in der Flugbox. Hätte ich keinen Plan gehabt hätte ich mich vor Freude und Begeisterung wahrscheinlich minutenlang nur um diesen Hund gekümmert und meine Rüden Minuten lang "vernachlässigt", schon hätte ich einen Keil in die gewünschte Vereinigung treiben können. Natürlich liefen mir die Tränen vor Freude, und wie...

Ich hatte eine Freundin mitgenommen, mir zu helfen. Sie stand mit meinen beiden Rüden unmittelbar hinter mir. Ihnen gab ich noch ein Streicheln und ein liebes ruhiges Wort, direkt vor der Flugbox. Ich öffnete die Flugbox um meinen neuen Schatz in Empfang zu nehmen. Er kam aus der Box, direkt in meine Arme, drückte sich an mich...  Dann lief alles wie ausgedacht ab, denn denken konnte ich in dem Moment überhaupt nicht mehr, weil ich nur noch weinte: Ich nahm meine Schüssel mit den vorbereiteten Wurststückchen. Reihum bekam jeder Hund ein Stück, immer in der gleichen Reihenfolge, angefangen bei meinem Rudelchef. Jeder bekam Wasser angeboten, auch wenn es meine Hunde gerade nicht gebraucht hätten. Sie nahmen auch nichts, aber es ging um die Gleichbehandlung, was Hunde sehr wohl und ganz schnell erfassen. Damit legte ich den Grundstein für eine Zusammenführung, die man maximal zwei Minuten so bezeichnen konnte, denn dann wars schon geregelt, der Neue gehörte schon dazu.

Wieso das so schnell ging?

Mit meinen reihum verteilten Wurststückchen legte ich in ganz kurzer Zeit gleich mehrere Regeln fest, die die Hunde verstanden. Zum Einen, ICH bin der Boss, ich teile aus. Der Neue konnte sofort verstehen wer hier den Ton angibt. Zuerst bekam mein "Rudeloss", mein Leithund sein Stück, somit zeigte und bestätigte ich welcher Hund im Rang an der Spitze steht. Beim Verteilen gabs für jeden auch Ansprache und Streicheln. Es gab absolut keinen Raum das Eifersucht aufkommen konnte. Einen Hund den der Rudelchef so gleichwertig behandelt, der gehört einfach dazu, basta. Die Wurst war aufgefuttert, meine Hand ging noch paar mal reihum um die Hunde zu streicheln. Es kam wie ich erhofft hatte, sie begrüßten sich nun mit einem sehr freundlichen Nasenstupser. Ich wusste vom neuen Hund gar nichts, erkannte aber sehr schnell das er nicht dominant war. Das war eine sehr gute Voraussetzung, so konnte ich es wagen sie alle Drei bewusst an einer Hand dicht beieinander hinaus zum Pinkeln zu führen. Zügig laufend, ein zu langsames "bummeln" oder stehen bleiben hätte Raum für Störungen oder Irritierungen bieten können. Ich lobte, wenns einen Grund gab alle Drei - dem Neuen wars vielleicht (noch) egal, aber als bestätigendes Signal an meine Hunde. Sie liefen als gehörten sie schon ewig zusammen... Ich brachte sie dann zum Auto, sie kuschelten sich alle Drei zusammen als hätte der Neue immer schon dazu gehört... Dieses super Verhältnis blieb auch so.

Eine Frau vom Tierschutz, die dieses beobachtet hatte, fragte mich wo MEIN Hund her käme, ob ich im Urlaub gewesen wäre, er nun nach käme. Sie konnte nicht glauben das ich den Hund eben zum ersten mal sah, er jetzt neu zum Rudel dazu gekommen ist. Sie wusste das dieser Hund am Flughafen von seinen neuen Besitzern abgeholt wird, was sie dann aber beobachtete hatte irritierte sie völlig, sie noch nie so erlebt. 

 

Abholung an der  Übergabestelle Autobahnparkplatz 

Nicht selten halten Transporter an verschiedenen Autobahnparkplätzen, wo die Übergabe an ihre neuen Besitzer, Pflegestellen usw. statt findet. Dies ist ein sehr gefährlicher Ort. 

Ich habe erlebt das die meißten Hunde völlig unproblematisch ihre ersten Schritte in ihrer neuen Heimat machten, neugierig aber ruhig die Nase in die Luft streckten und sich umschauten, sich sogar sofort von jedem Fremden streicheln ließen. Sie waren nicht einmal durch die lauten Autobahngeräusche irritiert. Die Hunde wurden vorher im geschlossenen (!!!) Bus sicher angeleint, möglichst mit gut sitzendem Geschirr. Auch wurden die Abholer vom Fahrer oder einer Begleitperson deutlich auf die Gefahr hingewiesen das der Hund vor Schreck entwischen könnte... und dennoch kann es gefährlich werden, vorallem bei ängstlichen, unsicheren Hunden. Weiteres dazu unter "Angsthunde"

 

Ich bringe einen "neuen" Windhund nach Hause.

Dazu nutzte ich den Vorteil das ich einen Garten habe. Meine Hunde ließ ich noch im Haus, den neuen Hund, egal ob Pflegehund oder eigener, führte ich erst einmal im Garten herum damit er sich orientieren konnte. Wenn ich nachts mit dem neuen Hund ankam legte ich besonders großen Wert darauf das er erst in Ruhe den Garten inspiziert damit er zweifellos mitbekommt wo die Begrenzung ist, wo für den Notfall Rückzugsmöglichkeiten sind. Dies war mir wichtig um zu verhindern das der Hund in Panik vor den Zaun knallt oder gar darüber springt weil er keine andere Möglichkeit wusste sich in Sicherheit zu bringen, wenn eine für ihn bedrohlkiche Situation aufkommen sollte. Bevor ein neuer Hund kam (selbstverständlich auch bei Pflegehunden!) achtete ich sehr darauf das auf gar keinen Fall eine Erhöhung in Zaunnähe stand, die der Hund nutzen könnte um über den Zaun zu kommen. Also Blumenkübel weg, Gartenbank, Tische, Holzstapel, Kompostkaufen, vielleicht ein Auto im Hof... und vor allem das Tor sicher schließen.

So, der Hund hatte sich orientiert, er hörte schon die anderen Hunde. Als erstes holte ich den Rudelboss aus dem Haus. Auf ihn konnte ich mich verlassen, er war ein sehr erfahrener, ausgeglichener, sehr sozialisierter Hund, behielt immer die Ruhe, war sehr freundlich und vor allem ruhig und niemals hektisch. Wenn er den Neuen begrüßt hatte, was immer völlig reibungslos und schnell ging, nie einen Hund in Panik versetzte - auch extreme Angsthunde nicht - holte ich den nächsten Hund. Wenn ich gerade mehrere Hund hatte (Pflegehunde), dann immer der Rangfolge nach. So klappt es immer reibungslos, geordnet, überschaubar und ruhig.

Wenn ein neuer Windhund kam, war es immer völlig problemlos. Meine Hunde schienen sich jedes mal auf Anhieb total zu freuen wenn wieder ein neuer Windhund-Pflegling dazu kam. Sie begrüßten ihn und sprangen dann vor Freude herum, jeder schien zu zeigen was er kann, ein unglaublich schönes Erlebnis.

 

Ich bringe einen "Nicht-Windhund" zu Windhunden nach Hause.

Kam ein "Nichtwindhund", wie z. B. ein Pflege-Husky, sah es schon ganz anders aus! Windhunde und "Nichtwindhunde" sprechen verschiedene "Sprachen", verstehen sich nicht unbedingt auf Anhieb, müssen sich manchmal erst kennen lernen. Vor allem wenn Windhunde von Anfang an keine anderen Hunde kennen lernten, nur mit Windhunden zusammen lebten. (Z.B. Galgos beim span. Jäger... Greyhounds von der Rennbahn...) Einen Husky hatten meine Windhunde jedenfalls noch nie gesehen... Die Zusammenführung wie oben beschrieben. Zuerst der erfahrene und souveräne Rudelboss, dann der Rangfolge nach die anderen. Gut so, denn ein Galgo flippte fast aus als er den Husky sah. Er schien völlig irritiert, bellte den Husky an. Es schien als würde der Galgo den Husky nicht einmal als Hund anerkennen, der Galgo war richtig entsetzt über das fremde Wesen. Was geschah? Mein Rudelboss schlichtete, er stellte sich ganz schnell vor den Husky, wandte sich dem aufgeregten Galgo zu und signalisierte damit das keine Gefahr ist und der Galgo beruhigte sich sofort wieder. In der ersten Woche drehten die Hunde den Kopf ab wenn sie aneinander vorbei gingen, jeder beschwichtigte also mit diesem Signal. Es lief völlig ruhig und absolut aggressionsfrei ab, aber sie nahmen den Husky nicht ins Windhundrudel auf. Er war meinen Hunden zu wesensfremd, umgekehrt das Gleiche. Der Husky schloss sich betont mir an, meine Windhunde reagierten in keiner Weise eifersüchtig, sie sind sich ihrer Position bei mir sicher.

 

Ich habe einen "Nichtwindhund", es kommt ein Windhund dazu.

Ich hatte einen kleinen Wuschel-Mix und es kam ein sehr großer Greyhoundmix dazu. Bei der Abholung an einer Autobahnraststätte war der kleine etwas dominante Mischling dabei, es lief ähnlich ab wie oben beschrieben. Es gab für Jeden die gleiche Zuwendung, für Jeden abwechselnd Begrüßungs-Nascherle, jeder wurde angesprochen, keiner zulange. Beide bekamen Wasser angeboten, zusammen wurden sie sofort an den Rand zum Entleeren geführt.  Wir fuhren ein Stück weg und machten mit Beiden erst mal einen schönen Spaziergang, wobei beide Hunde gleichermaßen Beachtung bekamen. Der kleine Mischling hatte keinen Grund zur Eifersucht, so klappte auch das prima. Im Haus zeigte sich dann allerdings, das der Kleine Angst vor dem großen Windhund hatte. Das hatte weniger mit der Größe zu tun, große Hunde kannte der Kleine ja. Das hatte damit zu tun das Windhunde im Wesen völlig anders sind als "andere" Hunde. Sie mussten sich erst einmal kennen lernen. bzw. der Kleine musste den Windhund erst kennen lernen, der Greymix schien "andere Hunde" schon zu kennen. Unsicherheit zeigte der kleine Wuschelmix wenn er z.B. im schmalen Flur am Großen vorbei gehen musste.

Ich legte großen Wert darauf das die Beiden alles nur noch gemeinsam erlebten, zusammen raus gehen, Beide rufen, Beiden etwas geben, Jeden ansprechen, Jeden loben... in der ersten Zeit legte ich ganz besonders großen Wert auf Gerechtigkeit. Keiner wurde in irgend einer Weise bevorzugt oder anders behandelt, da der Kleine zu dem Zeitpunkt Einzelhund war gabs keinen Hunde-Rudelboss den ich hätte anders behandeln müssen. Weil der Greyhoundmix noch nicht stubenrein war, gabs besonders viele Spaziergänge, was dem kleinen Mischling natürlich sehr gefallen hat. Ich spielte mit Beiden, sie lernten sich jeden Tag besser kennen und es dauerte gar nicht lange und der Kleine hat seine Unsicherheit völlig verloren, nur wenige Wochen und sie kuschelten miteinander, rannten und tobten miteinander auf riesigen Wiesen, sie waren ein Team und lebten völlig problemslos miteinander, liebten sich sogar sehr.

 

Auch das ist zu beachten, damit man das Zusammenleben mit Hunden genießen kann.

Man muss den richtigen Hund auswählen! Einen passenden Hund zu Ihren Bedürfnissen, Ihrer Lebensweise  und passend für Ihren vielleicht bereits vorhandenen Hund. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, wie z.B.: 

Dominanz, vielleicht Geschlecht, manchmal Größe oder spezielle Rasseeigenschaften, absolute Abneigungen Ihres Hundes, Temperament

Ansprüche bei Bewegung, Beschäftigung, Unterbringung

manchmal auch die idealen Außentemperaturen... ich denke an kälteliebende und kälteempfindliche Hunde

Welchen Hund sie zum Ersthund dazu holen, richtet sich genialer Weise nach Ihrem Hund, wenn es ein gutes Team werden soll. Jeder weitere Hund sollte zu den bereits vorhandenen passen, vor allem im Wesen. Mit einem "falschen" weiteren Hund kann der/die bereits mit ihnen lebende(n) Hund(e) sehr unglücklich auch krank werden, wenn sie das nicht beachten. Die größte Auswahl haben Sie beim Ersthund, er muss NUR zu Ihrem Wesen, Ihren Ansprüchen und Bedürfnissen passen. Ab einem zweiten Hund hat Ihr Ersthund ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

 

*

 

Gedanken von mir zur Zusammenführung von Hunden

Vielleicht meinen Sie Ihrem Hund, der bereits mit Ihnen lebte, nun besonders zeigen zu müssen das er ihnen noch genau so lieb und wichtig ist... Ich denke das ist ein Fehler und "vermenschlicht", könnte sogar ziemlich problematisch für das Zusammenleben der Hunde werden, vielleicht auch für Sie.

Hunde sind normaler Weise sehr sozial, sie sind bestrebt mit anderen Hunden friedlich zusammen zu leben. Dafür setzen sie jede Menge Signale ein, nicht wenige um sogar von vorn herein jeden Stress unter einander zu vermeiden. Nun sind wir Menschen aber der Rudelführer... Ich meine wenn wir uns nun "einmischen" indem wir einen Hund deutlich bevorzugen, bringen wir ein schweres Ungleichgewicht in die Beziehung der beiden Hunde unter einander. Wir puschen einen Hund künstlich stärker als er in der Hundebeziehung untereinander eigentlich ist, geben ihm damit mehr Rechte, setzen womöglich sogar das gesunde soziale Hundeverhalten untereinander außer Kraft. Meiner Ansicht nach eine schlechte Voraussetzung jemals ein tolles Hundeteam haben zu können. Es besteht allein dadurch die Gefahr das sich die Situation hochschaukelt, durch den Menschen und sein vermenschlichendes "Gut-meinen-wollen" angekurbelt. Es entsteht nicht nur Stress für die Hunde, damit stellen Sie sogar Ihre eigene Position als Rudelboss in Frage. Hunde erwarten von einem Rudelboss so einiges, auch das er gerecht ist, das er sich sozial verhält. Das bedeutet das der Rudelboss keine Spannung ins Rudel zu tragen hat und das tut man ja gleich mehrfach wenn man einen Hund bevorzugt. Es ist sogar seine Pflicht für Entspannung zu sorgen. Hunde fühlen sich nur sicher und wohl im Rudel, wenn es klare Strukturen gibt. Wenn ein Rudelboss seine Aufgaben nicht korrekt erfüllt, passiert es ganz schnell das Hunde krank werden können weil sie unter Dauerstress stehen, sich zurückziehen, ungehorsam werden, stur oder ein Hund Ihre Position übernimmt. Für die Hunde ist damit der Stress beendet, für Sie fängt er aber erst richtig an.

Zur Erinnerung, es ging bei meinen Gedanken NUR um die Zeit der Zusammenführung, die ersten Stunden oder auch Tage - wenn ein Zweit- vielleicht auch Dritthund kommt. Wenn sich die Hunde normal sozial verhalten dürfen hat man gute Voraussetzungen, das  sich das Zusammenleben gut und schnell einspielt. Eben weil Hunde von Natur aus ein friedliches und sozial geordnetes Zusammenleben anstreben, was für sie Sicherheit und Schutz, somit Überleben bedeutet.

Bei einem größeren Rudel, sieht es meiner Meinung nach etwas anders aus. Der Leithund hat da wesentlich mehr Verantwortung, muss sich viel mehr durchsetzen können, hat Rechte die anderen verwehrt sind. Als menschlicher Rudelführer würde ich so einem Leithund stets Unterstützung geben, ihn in seiner Position zu bestärken - natürlich nur sofern er dieser Aufgabe voll gerecht wird, nicht überfordert, der Aufgabe gewachsen ist. Wenn er allein durch seine Wesensstärke das Rudel optimal führt und das heißt ohne jegliche Aggression. Der ranghöchste Hund zeichnet sich durch andere Eigenschaften aus, er ist vorallem sehr souverän, betont sozial kompetent, geht fürsorglich mit den anderen Rudelmitglieder um, gibt ihnen durch seine Eigenschaften Schutz und Sicherheit, sorgt für "Ruhe" im Rudel. So ein Leithund ist ein König! Wenn Sie jemals das Glück haben ein größeres Hunderudel mit einem solch genialen Leithund  beobachten zu können, werden Sie sehen wie auffallend respektvoll und liebevoll ihn seine Rudelmitglieder behandeln. Seine Würde ist so beeindruckend, das sie ihn daran sogar auf Anhieb erkennen können, noch bevor Sie das Verhalten der Hunde beobachteten.

*

Auch wenn ich jetzt vom Thema abschweife, möchte ich zu einem solchen "König" noch kurz etwas sehr Interessantes erzählen. Ich habe etwas total beeindruckendes beobachten können, was ich noch nirgends gelesen oder gehört habe. Was glauben Sie was im Rudel passiert wenn ein solcher (älterer) König mal richtig krank ist, schwach, seine Boss-Funktion sogar mehrere Wochen lang nicht mehr verrichten kann, das Rudel nicht mehr führen kann? Ich jedenfalls glaubte bisher das diese Chance der nächst Wesensstärkere nutzt um diese Position einzunehem.

Ich konnte aber beobachten das Rudelmitglieder, die als "Nachfolger" in Frage kommen könnten besorgt waren, sie schauten auffallend oft nach ihm, beschnüffelten ihn leise, unaufdringlich, vorsichtig. Kein Hund machte ihm seine Position streitig, auch ein sehr starker junger Rüde nicht, der sich weiß Gott sehr gut im Rudel behaupten kann. Dieser jüngere Rüde und die Leithündin, also zwei Hunde die in der Rangfolge direkt nach den "König" kamen, standen dem König gemeinsam zur Seite. Sie hielten sich möglichst direkt beim "König" auf, ganz dicht an ihm, zu jeder Seite einer. Sie behielten das Rudel stets im Blick, hatten einen "wichtigen" Gesichtsausdruck mit erhobenem Kopf, spielten sich aber nicht auf. Waren ihnen die Rudeljungspunde zu laut, zu lebhaft oder stritten sich um ein Spielzeug, schauten sie erst den "König" an bevor sie im Rudel für Ruhe sorgten und gingen nach ihrem "Einsatz" sofort wieder zu ihrem verehrten "König". Es klingt bescheuert, aber es wirkte als ob sie ihm immer wieder zeigten das sie ihn noch als Boss anerkennen, ihn nur unterstützen. Sie vertraten ihn, ohne auch nur einen einzigen Augenblick an seinem Stuhl zu sägen. Umso besser es dem "König" ging, desto mehr zogen sie sich wieder zurück. Das hätte ich niemals für möglich gehalten! 

Die "Besonderheit" in diesem Rudel, fast alle Hunde außer dem "König" waren einst Angsthunde, teils extreme Angsthunde. Ihnen hatte er durch sein ruhiges und starkes Wesen mit seiner reichen Erfahrung und Gutmütigkeit Schutz und Sicherheit gegeben, er hat sie geführt, ihnen zur Seite gestanden wenn sie Angst hatten, sie hatten sich total an ihm orientiert. Trotzdem hätte ich Hunden ein solches Verhalten nicht zugetraut.

*  *

 

  Hitmaster.de - Kostenlose Counter und Statistik